Plattenwärmeübertrager in Chloralkali–ElektrolyseanlagenHOHE LEISTUNG AUF KLEINEM RAUMTypische Einsatzfälle für verschweißte Plattenwärmetauscher liegen nicht nur in Anwendungen mit hohen Drücken und Temperaturen, starken Wechselbeanspruchungen oder chemisch aggressiven Medien. Der Einsatz in Chloralkali-Elektrolyseanlagen zeigt, dass Shell & Plate-Wärmeübertrager auch bei niedrigen Drücken und Temperaturen gut geeignet sein können, den Betrieb prozesstechnischer Anlagen sicherer und weniger wartungsintensiv zu gestalten.
In der Chloralkaliindustrie werden durch Elektrolyse einer Salzlösung Chlor und andere Nebenprodukte hergestellt. Eine wesentliche Herstellungstechnologie ist das Quecksilber- oder Amalgamverfahren. Dabei wird hochreines Kochsalz in Wasser zu einer Elektrolysesole aufgelöst. Die endotherme Reaktion findet in Elektrolysezellen statt, in denen Energie in Form von Gleichstrom über Elektroden aus Quecksilber und Titan zugeführt wird. An der Titananode bildet sich elementares Chlorgas, an der Quecksilberkathode scheidet sich metallisches Natrium ab, das als Natriumamalgam gebunden ist. Diese Quecksilberlegierung wird anschließend mit reinem Wasser zersetzt, wobei gasförmiger Wasserstoff und wässerige Natronlauge entsteht.
Am Produktionsstandort Wilhelmshaven sind in sogenannten Zellensälen eine Vielzahl von Elektrolysezellen mit nachgeschaltetem Amalgamzersetzern angeordnet. Über den Zersetzern sind Wärmeübertrager installiert, in denen der gasförmige Wasserstoff gekühlt und danach einer Weiterverarbeitung zugeführt wird. Der Wasserstoff ist beim Eintritt in den Wärmetauscher mit Wasserdampf gesättigt, der kondensiert und nach einer weiteren Unterkühlung zurück in den Zersetzer geleitet wird. Hohe WärmeübertragungsratenZur Sicherung eines störungsfreien Anlagenbetriebes werden GESMEX-Plattenwärmeübertrager der XPS-Baureihe eingesetzt. Nach intensiver Abstimmung mit INEOS wurde die für Kondensationsaufgaben bewährte Shell & Plate-Bauweise weiterentwickelt und für die Anwendung optimiert.
Die Medien werden im Kreuzstrom geführt. Primär, in den Strömungskanälen auf der Plattenseite, fließt das Kühlwasser in einem steilen Winkel über die wellig geprägten Plattenoberflächen. Sekundär, auf der Mantelseite, wird das Gas in einem flachen Winkel zur Prägerichtung geführt. Damit entsteht primär ein gewollt hoher Druckverlust, was über hohe Wärmeübertragungsraten zu einer Begrenzung des erforderlichen Kühlwasserstroms führt.
Der erste Zug enthält keine Wärmetauscherplatten. Hier kann sich das gasförmige Medium beruhigen, mitgerissene Partikel verlieren ihre Strömungsenergie. Ein Großteil gelangt durch die Schwerkraft zurück in die Zelle. Wartung einfach gemachtDer Mantel ist beidseitig öffenbar ausgeführt. Die Konstruktion ermöglicht das Herausziehen des Plattenpakets zur Inspektion und Reinigung in geplanten Wartungsintervallen. INEOS hält ein Austauschplattenpaket in Reserve, sodass der Wärmeübertrager nach kurzer Stillstandszeit wieder in Betrieb gehen kann. Außerdem ermöglicht die öffenbare Konstruktion eine Inspektion des Dampfraums auf der Gaseintrittsseite. Sollte es bei einer längeren Betriebsdauer weiterhin zu Partikelablagerungen kommen, ist hier der nachträgliche Einbau und später die regelmäßige Wartung eines Filterelements möglich. Dipl. Ing. Thomas Bieler |